Samstag, 26. Januar 2008
kleine idyllen (2)

 

8 uhr: den tag sondieren / heißt

das abgelegte altpapier der nacht
ins haus zu holen dann im morgen-
kaffee saccharin (den traum) zu lösen
sich ins geäst vorm fenster chloro-
phyll zu denken strecken wachsen
mit den sorgen grob entworfen auf
dem umschlag einer unbezahlten rechnung

mach du die betten ich entsorg
den müll und bring die wäsche aus
dem keller mit beim spülen dann
entsteht aus einer maserung des
küchenbretts (der laune) eine
feine skizze dieses tages

 

Von den »kleinen idyllen« ist mir dieses hier persönlich das liebste. Entstanden ist es am 17. Mai 2004, also einen Tag früher als das gestrige Gedicht, und wurde ebenfalls als Plakat bei den Literaturtagen in Montabaur ausgehängt.

Da ich mir, ehrlich gesagt, gute Chancen ausrechnete, nahm ich damit außerdem am Jokers-Lyrikwettbewerb 2007 teil – und erhielt tatsächlich einen Preis, wenn auch unter ›ferner liefen‹: ein »Buchpaket im Wert von 100 Euro«, gestiftet von der Zeitschrift »Die Berliner Literaturkritik«. Das vermeintlich hochwertige Paket bestand allerdings aus offenbar aussortierten Rezensionsexemplaren, anders kann ich mir die höchst kuriose Zusammenstellung jedenfalls nicht erklären. Dafür, dass die Redaktion selbst ihrer Beteiligung an der Ausrichtung dieses Wettbewerbs nicht allzu viel Bedeutung beimaß, mag auch die Tatsache sprechen, dass er auf ihrer Website mit keinem Wort erwähnt wurde. Aber immerhin: »Sonderpreis der Berliner Literaturkritik« klingt doch nicht schlecht im Lebenslauf ...

Das Gedicht kann man übrigens via jokers.de »an Freunde empfehlen«[?]. Gedruckt erschien es in der BoD-Anthologie zum Wettbewerb, die allerdings weiter nicht der Rede wert ist.

 

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